Fliesenberatung bei Fliesen Aschauer in Teisendorf

Dünne Fliesen – genauso belastbar oder geht jede Fliese für alles?

Wie Materialstärke, Format, Bruchlast und Verlegung darüber entscheiden, ob eine Fliese für ihre vorgesehene Anwendung geeignet ist.

Dünner bedeutet nicht automatisch gleich belastbar

Dünne Fliesen liegen im Trend. Gerade bei großformatigen Fliesen lassen sich mit geringeren Materialstärken elegante Gestaltungen umsetzen. Doch wie belastbar sind solche Fliesen tatsächlich?

Kann man davon ausgehen, dass eine Fliese für jede Anwendung geeignet ist, solange sie aus Feinsteinzeug besteht? Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab.

Neben der Materialstärke spielen das Format, die tatsächliche Bruchlast und vor allem die vorgesehene Nutzung eine entscheidende Rolle. Zwei Fliesen aus demselben Material können sich hinsichtlich ihrer mechanischen Belastbarkeit deutlich unterscheiden.

Für keramische Fliesen gibt es genormte Prüfverfahren, mit denen unter anderem die Bruchlast ermittelt wird. Dabei wird eine Fliese unter definierten Bedingungen bis zum Bruch belastet.

Bei vielen üblichen Feinsteinzeugfliesen liegen maßgebliche Mindestwerte – abhängig von Produktgruppe und Materialstärke – bei 700 N für Fliesen unter 7,5 mm und bei 1.300 N für Fliesen ab 7,5 mm. Welche Anforderungen konkret gelten, muss anhand der jeweiligen Produktnorm und Herstellerangaben geprüft werden.

Auch das Format hat Einfluss. Bei ansonsten vergleichbaren Eigenschaften können quadratische Fliesen eine deutlich höhere Bruchlast erreichen als längliche Rechteckformate.

Gut zu wissen

Die Materialstärke allein sagt nicht alles aus

Dünnere Fliesen erreichen nicht automatisch die Bruchlast dickerer Fliesen. Neben der Materialstärke beeinflussen auch das Format und die Produkteigenschaften die Belastbarkeit. Entscheidend ist deshalb, welche Bruchlast für das konkrete Produkt und Format nachgewiesen wird.

Im Wohnbereich ist vieles unkritisch – im Gewerbe sieht es anders aus

Entscheidend ist nicht nur, wie schwer eine Belastung ist, sondern auch, wie sie auf die Fliese einwirkt.

Bei ruhenden Lasten, wie sie beispielsweise durch Möbel oder übliche Einrichtungsgegenstände entstehen, ist die Bruchlast der Fliese häufig nicht der entscheidende Faktor. Voraussetzung sind ein geeigneter Untergrund und eine fachgerechte Verlegung.

Anders sieht es aus, wenn ein Boden regelmäßig mit schweren Lasten befahren wird. Nehmen wir einen Handhubwagen, mit dem eine Palette mit einer Tonne Waren bewegt wird.

Die Kräfte verteilen sich dabei nicht gleichmäßig über die gesamte Fliesenfläche. Ein großer Teil der Belastung konzentriert sich auf die kleinen Aufstandsflächen der Rollen.

Je nach Radmaterial, Radlast und Kontaktfläche können erhebliche lokale Pressungen entstehen. Eine Fliese, die im normalen Wohnbereich problemlos funktioniert, kann unter solchen Bedingungen an ihre Grenzen kommen.

Hinzu kommen die Ebenheit und Tragfähigkeit des Untergrunds, die Unterstützung durch den Verlegemörtel und mögliche Hohlstellen. All diese Faktoren beeinflussen, wie gut ein keramischer Belag solche Belastungen verträgt.

Unser Tipp

Fliesen im gewerblichen Bereich

Neben der passenden Fliesenstärke und Belastbarkeit ist auch die Rutschhemmung entscheidend. Je nach Arbeitsbereich, Feuchtigkeit und betrieblichen Anforderungen sollte ein geeigneter rutschhemmender Bodenbelag gewählt werden, um die Arbeitssicherheit zu unterstützen. Mehr dazu erfährst du in unserem Beitrag über

Infos zu Fliesen mit Rutschhemmung →

Was sagt das Merkblatt für hoch belastete Beläge?

Für solche Anwendungen gibt es das Merkblatt „Mechanisch hoch belastbare keramische Bodenbeläge“. Es unterstützt bei der Auswahl und Planung von Belägen für unterschiedliche mechanische Beanspruchungen.

Die Einteilung reicht von üblichen Anwendungen im Wohnungsbau bis hin zu stark beanspruchten Gewerbe- und Industrieböden. Dabei werden unter anderem die zu erwartende mechanische Belastung, die eingesetzten Fahrzeuge und die erforderliche Bruchkraft berücksichtigt.

In der klassischen Einteilung werden folgende Belastungsgruppen unterschieden:

Belastungsgruppe I:

Wohnungsbau und vergleichbare Anwendungen.

Belastungsgruppe II:

Gewerbliche und öffentliche Bereiche mit moderater mechanischer Beanspruchung, beispielsweise Verkehrsflächen ohne Flurförderfahrzeugverkehr.

Belastungsgruppe III:

Gewerbe- und Industrieböden mit Flurförderfahrzeugen und geeigneter Vollgummi-, Superelastik- oder vergleichbarer Bereifung.

Belastungsgruppe IV:

Höhere Beanspruchungen, beispielsweise durch Flurförderfahrzeuge mit Polyamidrollen.

Belastungsgruppe V:

Schwerlastbereiche in Gewerbe und Industrie.

Für die Gruppen II und III liegen die maßgeblichen Bruchkraftbereiche bei 1.500 bis 3.000 N beziehungsweise 3.000 bis 5.000 N. Die konkrete Zuordnung muss anhand der geltenden technischen Regelwerke, der vorgesehenen Nutzung und der tatsächlichen Produkteigenschaften erfolgen.

Wichtig zu wissen

Ein Handhubwagen kann den Boden stark beanspruchen

Bei unserem Beispiel mit dem Handhubwagen kann bereits die Belastungsgruppe III relevant werden. Entscheidend ist nicht allein das Gewicht der Palette. Auch die Radlasten, das Rollenmaterial und die tatsächliche Kontaktfläche müssen berücksichtigt werden.

Auch ein Büro kann höhere Anforderungen stellen

Nicht nur Lagerhallen, Produktionsbetriebe oder Verkaufsflächen müssen bei der Fliesenauswahl berücksichtigt werden.

Auch in einem Bürogebäude können erhöhte mechanische Belastungen auftreten. Werden beispielsweise Papierlieferungen auf Paletten mit einem Hubwagen bis in das Gebäude oder direkt in Büroräume transportiert, können bereits Palettengewichte von 500 kg eine relevante Beanspruchung darstellen.

Das bedeutet nicht, dass automatisch jeder solche Boden einer bestimmten Belastungsgruppe zugeordnet werden muss. Es zeigt aber, warum die tatsächliche Nutzung eines Raumes bei der Fliesenauswahl mitgedacht werden sollte.

Ein Büro ist nicht allein deshalb ein unkritischer Einsatzbereich, weil dort später Schreibtische und Bürostühle stehen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Wie wird der Raum genutzt? Sondern auch: Was muss während des Betriebs über den Boden transportiert werden?

Vollsatte Verlegung – eine wichtige Voraussetzung, aber kein Freibrief

Eine Fliese kann ihre Belastbarkeit nur dann ausnutzen, wenn sie ausreichend unterstützt wird.

In der Praxis findet man Herstellerfreigaben, bei denen eine Fliese auch für anspruchsvollere Anwendungen vorgesehen ist, sofern bestimmte Verlegebedingungen eingehalten werden. Dazu kann eine möglichst hohlraumfreie, vollflächige Unterstützung der Fliese gehören.

Hohlstellen können dazu führen, dass sich Kräfte stärker auf einzelne Bereiche konzentrieren und die Gefahr eines Bruchs steigt.

Gerade bei großformatigen Fliesen ist eine vollflächige Mörtelbettung unter Baustellenbedingungen jedoch nicht immer einfach zu erreichen. Untergrund, Zahnung, Verlegetechnik und die Kontrolle des Mörtelkontakts spielen dabei eine wichtige Rolle.

Unser Tipp

Herstellerfreigaben immer genau prüfen

Ist eine Fliese nur unter bestimmten Verlegebedingungen für eine Anwendung freigegeben, müssen diese Vorgaben unbedingt eingehalten werden. Prüfen Sie deshalb nicht nur, für welche Belastung eine Fliese geeignet ist, sondern auch, welche Anforderungen der Hersteller an Untergrund, Verlegemörtel und Verarbeitung stellt.

Am Ende muss eine Konstruktion nicht nur auf dem Papier funktionieren, sondern auch unter realistischen Baustellenbedingungen zuverlässig ausführbar sein.

Unser Tipp

Nicht nur die Fliese muss zur Belastung passen

Prüfen Sie bei mechanisch beanspruchten Böden immer das Zusammenspiel aus Fliese, Format, Untergrund, Verlegemörtel und tatsächlicher Nutzung. Eine hohe Bruchlast allein garantiert noch keinen dauerhaft belastbaren Bodenbelag.

Worauf der Profi bei der Fliesenauswahl achtet

Bei gewerblich oder mechanisch hoch belasteten Flächen reicht es nicht, lediglich Material und Stärke miteinander zu vergleichen.

Ein Fachmann berücksichtigt die vorgesehene Nutzung, die auftretenden Lasten, die Rollenmaterialien und die Verlegebedingungen.

Bei Bedarf lässt er sich vom Hersteller die tatsächliche Bruchkraft des konkreten Produkts im vorgesehenen Format bestätigen und gleicht diese mit den Anforderungen der geplanten Anwendung ab.

Gerade bei großformatigen und dünnen Fliesen ist diese Prüfung sinnvoll. Denn zwei Fliesen aus demselben Material können sich hinsichtlich ihrer Bruchlast deutlich unterscheiden.

Die richtige Fliese ist nicht automatisch die dickste oder die dünnste. Sie muss zur tatsächlichen Beanspruchung und zum gesamten Verlegeaufbau passen.

Dünne Fliesen haben ihre Berechtigung und bieten gerade bei großformatigen Gestaltungen viele Möglichkeiten. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass jede Fliese für jede Belastung geeignet ist.

Im normalen Wohnbereich stehen häufig andere Anforderungen im Vordergrund als in einem gewerblichen Gebäude mit regelmäßigem Transportverkehr. Entscheidend ist deshalb das Zusammenspiel aus Fliese, Format, Bruchlast, Untergrund und Verlegung.

Wir halten es für sinnvoll, diese Fragen vor der Auswahl zu klären und nicht erst dann, wenn der Boden bereits genutzt wird. Denn eine optisch überzeugende Fliese ist die Grundlage für einen gelungenen Belag – die technische Eignung muss ebenso stimmen.

Fliesen für unterschiedliche Anforderungen

Ob Rutschhemmung, hohe mechanische Belastung oder besondere Anforderungen in der Landwirtschaft: Die passende Fliese richtet sich nach dem jeweiligen Einsatzbereich.

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Die richtige Fliese für die jeweilige Belastung finden

Welche Fliese die richtige ist, hängt nicht allein von ihrer Stärke oder ihrem Format ab. Entscheidend sind das Zusammenspiel aus Material, mechanischer Belastung, Untergrund und fachgerechter Verlegung. Auch die Anforderungen an die Rutschhemmung sollten je nach Einsatzbereich berücksichtigt werden.

Sie möchten verschiedene Fliesen kennenlernen und sich bei der Auswahl beraten lassen? Entdecken Sie unser Ausstellungskonzept und erfahren Sie, wie wir Sie auf dem Weg zum passenden Bodenbelag unterstützen.

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